Soziale Betriebe in der Corona-Krise

„Aus der Not eine Tugend machen“

Wie viele Betriebe oder Selbstständige sind auch die meisten sozialen Dienstleister und Einrichtungen vom Corona-Shutdown betroffen. Sie leisten wichtige soziale Arbeit und fangen benachteiligte Menschen in ihrem Alltag auf. Das Spektrum reicht von Werkstätten für Menschen mit Behinderungen bis hin zu Betrieben der Arbeitsförderung und Anbietern von Sprachkursen. Sie alle sind infolge der Coronavirus-Pandemie von schwerwiegenden finanziellen Einbußen bis hin zur Insolvenz bedroht.

„Die Lage ist bitter“, meint Anneliese Durst vom Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) der Stadt München, „die Sozialen Betriebe existieren so nicht mehr.“ Karin Majewski, die Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Bayern, sieht die größten Schwierigkeiten bei den Inklusionsfirmen, die zum Beispiel im Catering tätig sind. Vorerst können nur noch diejenigen Betriebe richtig weiterarbeiten, die eine Sondergenehmigung haben, weil sie systemrelevante Dinge herstellen, wie zum Beispiel die Nähwerkstatt vom Netzwerk Geburt und Familie. Dort wurde die Produktion auf Mundschutze umgestellt.

Mundschutz aus der Nähwerkstatt

Andrea Hubbuch, Geschäftsführerin vom Netzwerk Geburt und Familie (NGUF), hat deshalb keine allzu großen finanziellen Einbußen zu verbuchen: „Es werden wohl nur ein paar Tausend Euro sein“. Zwar musste das Café Netzwerk schließen, aber einzelne Mitarbeiterinnen, die keiner gesundheitlichen Risiko-Gruppe angehören, können zur Arbeit kommen. Sie kümmern sich um die Osterbestellungen und färben Eier oder backen Osterlämmer. Allerdings wurden die meisten Waren-Bestellungen gecancelt, um die Kosten niedrig zu halten. In der Nähwerkstatt arbeiten im Moment acht von 20 Mitarbeiterinnen auf Hochtouren. Sie stellen ausschließlich Mundschutze her. Nadja Meatchi ist eine von ihnen. „Mein Leben ist gerade sehr anstrengend,“ seufzt sie. Ihre drei Kinder im Alter von 9, 14 und 17 Jahren können nicht zur Schule und wollen versorgt und beschäftigt werden. Das ist nicht einfach, vor allem, weil Nadja Meatchi nicht mal eine richtige Wohnung hat, sondern mit ihrer Familie in einer Pension lebt. Sie stammt aus Togo und hat ihren Mann vor drei Jahren verloren. Seitdem versucht sie alles allein zu meistern: eine Wohnung finden, beruflich auf die Beine kommen und die Kinder bestmöglich unterstützen. Gerade letzteres bringt sie in Corona-Zeiten an ihre Grenzen. Der älteste Sohn ist sonst eigentlich auf einem Fußball-Internat in Nürnberg. Er braucht viel Bewegung an der frischen Luft und wird unruhig in einem kleinen Zimmer. Die Familie hat kein Internet und keinen Computer in der Pension, was es schwer macht, die Aufgaben aus den verschiedenen Schulen zu bekommen und zu erledigen. Mit einzelnen Lehrern konnte Nadja Meatchi vereinbaren, dass sie ihr die Arbeitsaufträge per WhatsApp schicken, aber vieles bekommen sie und die Kinder nicht mit oder sie scheitern an den Aufgaben.

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Auf der Suche nach einem Zuhause

Unter dem Motto „Ohren auf! Herzen auf! Türen auf!“ hat der Paritätische Oberbayern zusammen mit fünf Mitgliedsorganisationen eine Wohnungskampagne für LGBTI*(lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und intersexuell)-Geflüchtete gestartet. Damit sollen alle Menschen angesprochen werden, die über Wohnraum verfügen und bereit sind, anerkannte lesbische, schwule und trans* Geflüchtete in München und Umland zu unterstützen.

Immoscout ist das Portal auf dem sich Hanaa am häufigsten einloggt. Seit ihrer Anerkennung als Geflüchtete sucht die 26jährige Transfrau aus Tansania verzweifelt eine Wohnung in München. In der teuersten Metropole Deutschlands ist das kein leichtes Unterfangen – nicht mal für Urbayern mit geregeltem Einkommen. Im Moment lebt Hanaa in einer Flüchtlingsunterkunft im Münchner Osten, aber das
gestaltet sich schwierig – vor allem, weil sie demnächst eine Hormonbehandlung beginnen will, um auch äußerlich mehr zur Frau zu werden. Dafür braucht sie viel Ruhe. Abgesehen davon, hat sie Angst, dass mit ihrer äußerlichen Veränderung die Belästigungen durch heterosexuelle Campbewohner wieder zunehmen. „Früher litt ich an Depressionen und habe mich selbst geschnitten“, erzählt sie. Vor ihrer Zeit im Münchner Osten wohnte sie in einer Unterkunft im 40 Kilometer entfernten Fürstenfeldbruck und fürchtete dort um Leib und Leben: „You homosexuals have to be killed!“, schrie sie einer ihrer Mitbewohner an. Ihr Zimmer wurde verwüstet. Doch das Wachpersonal war keine Hilfe und zeigte selbst homophobe Tendenzen.

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