Der andere Arbeitsmarkt

Cover des BISS-Magazins vom Januar 2020

Text: Gabriele Winter; Fotos: Janek Stroisch

Martin Lindner arbeitet 30 Stunden pro Woche bei Dynamo Fahrradservice

Simona Lombardi hat es geschafft. Seit einem halben Jahr arbeitet die 40-Jährige als Anleiterin im Hauswirtschaftsbereich des „Stadtteilcafé Hasenbergl“. Noch vor vier Jahren konnte sich die alleinerziehende Mutter von zwei Mädchen gar nicht vorstellen, je wieder auf die Beine zu kommen. Als selbstständige Gastronomin war sie gescheitert und saß mit einem Säugling und einem Kleinkind auf einem Berg von Schulden. Mit der Rückzahlung geriet sie in Verzug und sie wurde gerichtlich zu Sozialstunden beim „Café Netzwerk“ verurteilt. „Im Grunde war das ein Glück“, sagt Simona Lombardi heute. Denn so lernte sie die Einrichtung kennen und absolvierte dort eine Umschulung zur Restaurantfachfrau. Anschließend konnte Simona Lombardi durch die finanzielle Unterstützung von BISS den Ausbildereignungsschein machen und bewerkstelligte den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt. Damit gehört sie zu den 13 Prozent der Menschen auf dem zweiten Arbeitsmarkt, die in den ersten Arbeitsmarkt wechseln. Was sich zunächst nach wenig anhört, ist für Dr. Anneliese Durst vom Referat für Arbeit und Wirtschaft der Stadt München ein großer Erfolg: „Die Betroffenen sind ja meist seit Jahren arbeitslos und haben mehrere sogenannte Vermittlungshemmnisse.“ Manche haben Schulden und sind alleinerziehend wie Simona Lombardi. Andere kämpfen mit psychischen und körperlichen Krankheiten, Sucht oder Sprachbarrieren. Um den schwer vermittelbaren Menschen eine Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen, bezuschusst die Stadt München 32 Soziale Betriebe mit zehn Millionen Euro jährlich.

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Frust im Jobcenter

Immer mehr Beschäftigte, kaum noch Probleme auf dem Arbeitsmarkt – so scheint es. Doch die Realität in den Jobcentern sieht anders aus. Zu wenig Beschäftigte, tausende nur in befristeten Verträgen, selbst von Arbeitslosigkeit bedroht. Dem gegenüber gut sechs Millionen Bezieher von Hartz IV, viele davon Langzeitarbeitslose, erhalten immer weniger sinnvolle Weiterbildungen. Stattdessen stiegen die Sanktionen gegen Erwerbslose 2012 auf Rekordniveau. Frontal21 hat mit Arbeitsvermittlern und Erwerbslosen gesprochen und zeigt die Situation in den Jobcentern.