„Setz´ dein Kopftuch auf, du Schlampe!“

Anna Maya

Interview mit Anna Maya, Sozialpädagogin vom Frauencafé in Nürnberg

Anna Maya ist Sozialpädagogin im Internationalen Frauencafé in Nürnberg. Sie unterstützt und berät seit 2008 Frauen aus Flüchtlingsunterkünften bei Asylanträgen und hilft bei Schwierigkeiten im Alltag

„Setz´ dein Kopftuch auf, du Schlampe!“

Viele Frauen fliehen aus den gleichen Gründen wie Männer aus ihrer Heimat, weil sie aus politischen oder rassistischen Gründen verfolgt werden. Aber bei Frauen gibt es sehr oft noch andere Gründe. Sexuelle Gewalt gegen sie oder weil sie als Frauen diskriminiert werden. Sie suchen Schutz in Europa und landen in Flüchtlingsunterkünften, in denen sie Gefahr laufen, erneut von Männern bedroht und belästigt zu werden.

Frau Maya, warum schaffen es nur so wenige Frauen nach Europa?

Zum einen liegt es daran, dass in den meisten Kulturen die Männer noch als Hauptversorger der Familie gelten und dann der junge, starke Mann losgeschickt wird und dafür das Geld von sämtlichen Familienangehörigen gesammelt wird. Der junge Mann muss es dann nach Europa schaffen, um die Familie daheim oder in einem Flüchtlingslager in Jordanien oder im Libanon zu versorgen. Oder manchmal heißt es von den verheirateten Männern: „ich geh vor und ihr kommt nach“.

Was erleben alleinstehende Frauen hier in Deutschland?

Kürzlich war eine Studentin aus dem Iran im Frauencafé, die ist als einzige Frau mit lauter fremden Männern untergebracht. Sie erzählte, dass sie offensiv angemacht und zum Sex aufgefordert wird, dass Männer an ihre Tür klopfen und sich einladen.

Kann sie sich an jemanden wenden?

Sie ist in einer dezentralen Unterkunft auf dem Land. Es gibt ja viele leerstehende Hotels, die als Asylbewerberunterkünfte vermietet werden und da ist dann oft auch niemand. Da schaut der Vermieter oder eine Sozialarbeiterin ab und zu vorbei, aber wenn sie belästigt werden, können die Frauen dort nur die Polizei rufen.

Warum werden alleinstehende Frauen so untergebracht?

Dass ist vielleicht ein krasses Beispiel. Meist schaut man bei der Zusammenlegung auf religiöse und ethnische Zusammenlegung, nicht auf das Geschlecht. Oft werden die Frauen auch von ihrer eigenen „community“ unter Druck gesetzt: Unter muslimischen Familien kam es vor, dass in der Unterkunft zum Beispiel eine Frau kein Kopftuch trug, obwohl sie Muslimin ist, und einige Männer das eben nicht in Ordnung fanden und sie immer wieder aufforderten, sich anständig anzuziehen oder auch den Ramadan einzuhalten. Sprüche wie „Setz dein Kopftuch auf, du Schlampe!“, sind keine Seltenheit.

Welche Frauen kommen zu Ihnen ins Frauencafé?

Frauen aus Syrien, Iran, Äthiopien und neuerdings auch aus der Ukraine. Die meisten kommen wegen des Asylverfahrens und brauchen Hilfe bei der Vorbereitung der Anhörung. Und es geht auch viel um psychosoziale Belastungen. Es sind halt auch schon viele traumatisiert, die brauchen eine Therapie.

Erzählen Ihnen die Frauen etwas über die Hintergründe ihrer Flucht?

Ja, einige schon. Gerade, weil sie es oft nicht schaffen, ihre Erlebnisse bei der Anhörung zu erzählen. Zum Beispiel, wenn der Ehemann bestimmte Dinge nicht weiß und auch nicht erfahren soll, z.B. dass es Gewalt gab von einem anderen Mann im Heimatland oder auch woanders. Das Asylverfahren läuft ja in der Regel zusammen mit dem Ehemann, auch wenn die Anhörung einzeln stattfindet. Aber es werden dann Briefe verschickt, in denen die Berichte noch mal drin stehen und die kann der Ehemann dann einsehen.

Warum ist das so schlimm?

Das ist ja oft mit der ganzen Ehrenthematik belastet. Der Mann verliert ja auch seine Ehre, wenn sich jemand an seiner Frau vergangen hat. Oder wenn der Mann hauptsächlich der politisch aktive war, aber die Frau dadurch das Opfer wurde und sie nicht will, dass er es erfährt, weil er sich sonst große Vorwürfe machen würde.

Und was hindert alleinstehende Frauen daran, ihre Geschichte zu erzählen?

Manche erzählen es einfach nicht, weil sie nicht gefragt wurden oder die Zeit nicht reichte oder sie den Dolmetschern, die zum Teil aus dem Heimatland sind, nicht vertrauen. Sie haben Angst, dass die Dolmetscher, es in der „Community“ weitertratschen, was zwar meines Wissens nach nicht vorkommt, aber die Angst ist da. Und manchmal haben sie auch Angst, weil der Dolmetscher oder der Anhörer ein Mann ist.

Woher kommt diese Angst vor Männern?

Viele Frauen erzählen von Vergewaltigungen in den Gefängnissen ihrer Heimatländer oder auf der Flucht.

Wird diese Angst durch eine Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften verstärkt?

Zum einen ist da die Schutzlosigkeit, der Frauen ausgesetzt sind. Weil es eben nicht einzelne abgeschlossene Wohnungen sind und daraus viele für die Frauen unangenehme Situationen resultieren. Erst mal, dass es überhaupt auffällt, dass man alleine ist. Und dass man gezwungen ist, alle Anlagen gemeinsam zu benutzen und dabei zwangsläufig immer wieder auf Männer trifft. Und, dass man vor allem gezwungen ist, so lange dort zu bleiben.

Scheitert eine dezentrale Unterbringung nicht an der Wohnungsnot?

Ja schon, aber es wäre sehr wohl möglich, gerade alleinstehende Frauen woanders unterzubringen. Nach den anderen Merkmalen, wie Religion und Herkunft wird bei der Zusammenlegung ja auch gekuckt. Es wäre möglich, wenn der Wille da wäre. Es kamen von den Behörden auch schon so Gegenargumente, es wäre ja viel sauberer, wenn Frauen auch mit in den Unterkünften sind!

Wie kann man die Frauen besser schützen?

Die Lagerpflicht muss abgeschafft werden.  Es kann nicht angehen, dass die Frauen gerade in Bayern verpflichtet sind über Jahre in den Sammelunterkünften zu leben und dass es so wahnsinnig schwierig ist, dort auszuziehen. Zum Beispiel hätte die Iranerin, von der ich gesprochen habe, einen Platz in einem Studentenwohnheim in Erlangen, denn sie möchte weiter studieren. Aber der Landkreis weigert sich mit der Begründung, man darf erst nach vier Jahren ausziehen, was so aber nicht stimmt. Es gibt Ausnahmegründe wie Krankheit, oder wenn man genug verdient, oder man in einer Mischbeziehung steht mit jemandem, der einen Aufenthalt hat. Studium wäre jetzt kein klassischer Grund, aber man muss doch berücksichtigen, was auf Dauer Sinn macht.

Schrauben, die zum Körper passen

Schraubnagel
Fraunhofer.de

Zu Beginn der Skisaison herrscht in der Regel Hochbetrieb in den alpenländischen Unfallkliniken. Einige Patienten haben danach ziemlich viel Metall im Körper. Denn gerade komplizierte Knochenbrüche werden meist mit Schrauben und Platten aus Titan oder Stahl fixiert. Später müssen sie in einer weiteren Operation entfernt werden. Das ist aufwendig und belastend für die Patienten.

Bleiben die Schrauben im Körper, lösen sie bei empfindlichen Menschen Entzündungen oder Allergien aus. Diese Beschwerden könnten bald Geschichte sein: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM haben gemeinsam mit Partnern der Uni-Kliniken Gießen-Marburg und Bonn, sowie der Universität Bremen einen biokeramischen Schraubnagel entwickelt. Der sogenannte „Schragel“ besteht aus Calciumphosphat, das im Wesentlichen der Zusammensetzung der Knochensubstanz entspricht.

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Go West!

Freihamer Aussichtsturm

Dialog 2016 – WGMW-Vertreter-Fahrt ‘Wohnraummehrung’
Titelthema
Wohnraummehrung – unter diesem Motto steht die WGMW­Vertreter­Fahrt 2016. An einem kühlen aber sonnigen Samstag im Februar geht es diesmal mit dem Bus Richtung Westen. Die ca. 60 Vertreter, Vorstände und Aufsichtsräte wollen Möglichkeiten für neue Wohnräume erkunden, denn auf den Wartelisten der WGMW stehen schon über 1000 Leute, und die sollen – wenn möglich – irgendwann eine Wohnung bekommen….

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Odyssee des Grauens – Frauen auf der Flucht

Zwischen 45 und  56 Millionen Menschen sind nach Schätzungen von Amnesty International und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR derzeit auf der Flucht. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Frauen und Mädchen. Sie sind aus Ländern wie Syrien, Somalia und Afghanistan und fliehen vor Krieg, Gewalt, religiöser und rassistischer Verfolgung. Aber auch aus frauenspezifischen Fluchtgründen wie Vergewaltigung, Gewalt in der Familie, Zwangsehe oder Genitalverstümmelung. Nur die wenigsten von ihnen kommenn Europa an. 75 % der Flüchtlinge in Europa sind Männer. Ihre Familien kratzen für sie alles Geld zusammen, um Schlepper für die Überfahrt nach Europa zu bezahlen. Für die Frauen und Kinder ist meist kein Geld mehr übrig. Sie schaffen es nur in die Flüchtlingslager von Nachbarländern wie Jordanien, Türkei und Libanon, wo ihnen aufs Neue Vergewaltigungen und Hunger drohen, denn dort fehlt ihnen oft der Schutz von Ehemännern, Vätern oder Brüdern und sie werden noch leichter zu sexueller Beute. Erreichen Frauen dennoch die Festung Europa, bedeutet es nicht, dass sie dadurch sicher sind. In Gemeinschaftsunterkünften sind vor allem alleinstehende Frauen erneut verschiedensten Belästigungen ausgesetzt.

Drei Geschichten von Frauen, die auf der Flucht waren – und zum Teil immer noch sind.

Roya Hassan Abadi, aus dem Iran

Roya Hassan Abadi

„Ich hatte nie vor, zu fliehen“

„Ich hatte im Iran ein gutes Leben. Ich habe im Gymnasium als Physiklehrerin gearbeitet, das hat mir großen Spaß gemacht. Außerdem war ich verheiratet und hatte einen dreijährigen Sohn. Ich hatte nie vor, aus dem Iran zu fliehen. 2009 bin ich nach Deutschland geflogen, um meinen Bruder zu besuchen, als Touristin, nicht als Flüchtling. Mein Bruder war politisch aktiv und hatte den Iran schon vor langer Zeit verlassen. Ich hatte ihn 15 Jahre nicht gesehen, denn im Iran ist es nicht so einfach, ein Visum zu bekommen. Bei meinem Bruder in Augsburg, habe ich jeden Tag zuhause angerufen, doch plötzlich habe ich meinen Mann nicht mehr erreicht und mir große Sorgen gemacht. Ich habe die Nachbarn und seine Arbeitskollegen angerufen. Aber keiner wusste etwas. Erst meine Eltern sagten mir, dass mein Mann verhaftet worden ist und mein Sohn jetzt bei ihnen ist. Unsere Wohnung war durchsucht worden und die Computer hatten sie mitgenommen. Meine Eltern waren sehr wütend auf mich und haben mir vorgeworfen, alle ins Unglück gestürzt zu haben, weil ich immer alles hinterfragen musste. Ich hatte mit meinen älteren Schülerinnen über die Widersprüche zwischen Religion und Wissenschaft gesprochen, über Frauenrechte und wir haben auch Bücher von verbotenen iranischen Wissenschaftlern gelesen. Ein Freund hatte mir per email Kopien davon aus dem Ausland geschickt. Inzwischen tut es mir total leid, dass ich meine Schülerinnen so in Gefahr gebracht habe. Mein Mann war dreieinhalb Monate im Gefängnis, obwohl er überhaupt nichts von meinen Aktivitäten wusste. Er hat sich weder für Politik noch für Religion interessiert. Als er dann entlassen wurde, hat er unseren Sohn zu seinen Eltern gebracht und mir verboten mit ihm zu telefonieren. Bald darauf hat er sich dann auch von mir scheiden lassen. Wenn Männer sich im Iran von ihren Frauen scheiden lassen wollen, geht das sehr schnell. Umgekehrt ist das nicht so einfach. Die Kinder dürfen in der Regel nach einer Scheidung beim Mann bleiben und werden nur dann der Frau zugesprochen, wenn der Vater drogensüchtig, gewalttätig oder so etwas in der Richtung ist. In Deutschland habe ich gleich, als ich damals von seiner Verhaftung erfuhr, einen Anwalt eingeschaltet. Der fand heraus, dass gegen mich ein Haftbefehl vorliegt, weil ich gegen islamisches Recht verstoßen habe. Im Iran darf man weder Gott noch den Koran infrage stellen, sonst kann es passieren, dass man für lange im Gefängnis landet, manchmal droht einem sogar die Todesstrafe. Ich habe dann hier Asyl beantragt und war im Erstaufnahmelager Zirndorf. Mein Asylantrag wurde schließlich anerkannt und ich konnte hier noch einmal Physik studieren, denn mit meinem Uni-Abschluss aus dem Iran durfte ich hier nicht als Physiklehrerin arbeiten. Dieses Jahr mache ich meinen Master und überlege, danach zu promovieren. Seit kurzem kann ich auch wieder mit meinem Sohn telefonieren, denn mein Ex-Mann hat mir allmählich „verziehen“.

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Eine Frau auf der Walz

Theresa Amrehn ist auf der Durchreise. „Das bin ich immer,“ sagt die junge, schmale Frau und lacht. Beim Kaffee im Müllerschen Volksbad-Café erzählt sie von ihren dreieinhalb Jahren auf Wanderschaft als Kirchenmalergesellin. Vieles hat sie in der Zeit als Frau auf der Walz erlebt, und aufgeschrieben. Inzwischen ist sie in Bonn sesshaft geworden und besucht in München ihre Freundin Birgit, eine Schneiderin, die sie bei der Tippelei, wie man die Walz auch nennt, kennengelernt hat.

Zum Stadtbild gehören Gesellinnen auf der Walz noch nicht gerade, aber langsam werden es auch wieder mehr Frauen, die diese jahrhundertealte Tradition ausüben. Seit dem Spätmittelalter wurden junge Handwerker auf die Walz geschickt um neue Fertigkeiten und Kulturen kennenzulernen. Erst danach durften sie in ihrem Fach die Meisterprüfung ablegen. Durch die Kriegswirren des 20. Jahrhunderts und veränderte Handwerksregeln geriet diese Tradition vor allem bei den Frauen in Vergessenheit. Mittlerweile sind in Deutschland immerhin 10 Prozent der knapp 500 Gesell/innen auf Wanderschaft weiblich – Tendenz steigend. Allerdings gibt es hierzulande nur zwei Schächte, das sind Vereinigungen von verschiedenen Handwerkern auf der Walz, die Frauen aufnehmen. Deswegen sind die meisten Gesellinnen sogenannte Freireisende, wie Theresa Amrehn eine war.

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Online-Redaktion des BISS-Magazins

BISS-Ausgabe November 2017 | Leben und Sterben

Thema | Leben und Sterben: Das Thema „Tod“ löst bei vielen Menschen Unbehagen und sogar Angst aus. Doch das Leben mit dem Tod kann auch eine Bereicherung sein | 6 Nicht nur Trauer: Christoph Lindenmeyer im Gespräch mit dem ehrenamtlichen Hospizhelfer Theodor Kilgert | 10 Leben mit dem Sterben: Geschwister von todkranken Kindern fotografieren | 16 Späte Trennung: Über Paare, die sich im Alter trennen | 20 Reise nach Rumänien: Mit zwei BISSVerkäufern unterwegs in ihre Heimat | 25 „L’Itinéraire“: Zu Besuch bei der Montrealer Straßenzeitung | 24Rückblick – Ausblick: BISS in Zahlen, Daten, Fakten |Schreibwerkstatt | 5 Was uns verbindet | 26 Aufgelesen: BISS-Verkäufer erzählen, was sie bewegt | Rubriken | 3 Editorial | 29 Freunde und Gönner | 28 Patenuhren | 30 Impressum, Mein Projekt | 31 Adressen

IN DER NEUEN BISS-KOLUMNE KOMMEN MENSCHEN ZU WORT, DIE IHR INTERESSE AN EINEM THEMA, AN EINEM PROJEKT ODER DIE EINE PERSÖNLICHE ERFAHRUNG VERBINDET. IN DER BEGEGNUNG ZEIGT SICH, DASS MENSCHEN TROTZ UNTERSCHIEDLICHER LEBENSLAGEN, ÜBERZEUGUNGEN UND PERSÖNLICHKEITEN IMMER AUCH ETWAS GEMEINSAM HABEN

MARKUS WISMAYER, 41, INHABER VON „HERR WISMAYER FÜR BLUMEN“ …
… UND BARBARA HÄUSSLER, 55, ÄRZTIN

DAS BISS-GRAB AM OSTBAHNHOF

BARBARA HÄUSSLER: Wie die Geburt gehört der Tod zum Leben. Als meine Eltern starben, habe ich erlebt, wie es mir in meiner Trauer geholfen hat, sie würdig zu verabschieden. Das Ritual der Beerdigung ist dabei sehr wichtig. Auch das Grab als realer Ort, wo ich sie besuchen kann.

MARKUS WISMAYER: Ein Grab ist die letzte Ehre, die wir einem Menschen erweisen. Ich habe einen Blumenladen in Untergiesing, wir machen Sträuße und Brautschmuck, aber wir betreuen auch Gräber. Ich mache das gerne, denn jedes Grab sollte hübsch aussehen, das hat einfach mit Respekt zu tun.

BARBARA HÄUSSLER: Mein Mann und ich sind seit vielen Jahren BISS-Leser. Der Plan, ein eigenes BISS-Grab einzurichten, hat mich spontan angesprochen. Deshalb wollte ich es unterstützen, und wir beide tun das bis heute.

MARKUS WISMAYER: Wir betreuen auch das Grab von Rudolph Moshammer, da passt es gut zusammen, dass wir auch das BISS-Grab pflegen. Die beiden Gräber sind für mich aber gleichwertig. Egal wie viel jemand im Leben hatte, soll sein Grab so schön sein wie jedes andere.

BARBARA HÄUSSLER: Die Bepflanzung des Grabes gefällt mir sehr gut. Ich fände es schrecklich, wenn es verwahrlost wäre. Das würde signalisieren, dass uns die Menschen gleichgültig sind. Niemand sollte uns gleichgültig sein. Denn die Würde jedes Menschen hört nicht auf mit seinem Tod.

Veröffentlicht von BISS-Magazin

Portrait: Ein Leben für den Umweltschutz

Karriere bei Fraunhofer

Mehr Effizienz- weniger Schadstoffe: Mohammad Aleysa lebt und forscht für den Umweltschutz

Leider hat der Autor keine Bildbeschreibung angegeben.

Gerade wird Mohammad Aleysa mit Preisen überhäuft, zuletzt erhielt er den Publikumspreis im Rahmen des Empowering People Award der Siemens Stiftung. Zusammen mit seinem Team am Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart und Partnern aus der Wirtschaft baut er emissionsarme Verbrennungsöfen.

Für Länder, in denen noch hauptsächlich über der offenen Feuerstelle gekocht wird, hat Mohammad Aleysa (38) den WAFFCO (Waste-Fuel Free Combustion) entwickelt. Das ist ein geschlossener Biomasse-Verbrennungsofen für den Haushalt, der hauptsächlich aus Ton und Eisen besteht. Er lässt sich mit landwirtschaftlichen und häuslichen Abfällen ebenso befeuern wie mit ausgedientem Verpackungsmaterial. Auf diese Weise löst er zwei Probleme auf einmal: Zum einen ersetzt er die rußenden und gefährlichen offenen Feuerstellen, und zum anderen sorgt er für eine umweltfreundliche Müllbeseitigung. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich allein vier Millionen Menschen durch die Luftverschmutzung infolge offener Feuerstellen im Haus. „Viele der Betroffenen wissen sogar, welcher Gefahr sie sich aussetzen.“ Mohammad Aleysa will nicht nur aufklären, sondern auch „Hilfe zur Selbsthilfe“ ermöglichen.

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Einfache Lösungen für alle

Der WAFFCO wurde so entwickelt, dass er auch vor Ort mit einheimischen Baumaterialien hergestellt werden kann. „Geräte so zu entwerfen, dass sie mit einfachen Mitteln gebaut werden können, ist manchmal noch schwieriger, als der Bau komplizierter Geräte,“ sagt Mohammad. Zwei Jahre haben er und sein Team an dem WAFFCO getüftelt und herausgekommen ist ein effizienter Ofen ohne technischen Schnickschnack.

Die Kochplatte besteht aus hitzeresistentem Metall und der Rest, inklusive Innenraum zum Backen, hauptsächlich aus Lehm. Der WAFFCO hat ein Ofenrohr und kann mit einem Wasserboiler kombiniert werden, der für heißes und keimfreies Wasser sorgt. Und damit die Schadstoffe nicht einfach durch das Ofenrohr nach draußen gepustet werden, hat Mohammad sogenannte Pall-Ringe verbaut, die für zusätzliche Oxidation der Rauchgase sorgen.

Getestet wird der Ofen bereits in Ghana. Dort organisiert Mohammad einwöchige Konstruktions- und Anwendungs-Workshops mit der Bevölkerung, so dass die Menschen den Ofen vor Ort eigenständig produzieren können. Mit einem Preis von 30 bis 40 Euro ist er auch für die einheimische Bevölkerung erschwinglich.

Gern hätte der Fraunhofer-Projektleiter seine Idee auch andernorts zum Einsatz gebracht. „Ich wollte die Öfen auch in Flüchtlingslagern in der Türkei oder im Libanon einsetzen“, sagt der gebürtige Syrer. Zwei seiner Geschwister leben in Flüchtlingslagern im Libanon und Mohammad unterstützt sie finanziell. Leider wollten die Verantwortlichen dort von seinem Ofen bisher nichts wissen.

Schockierende Müllberge

Was Mohammad Aleysa antreibt, ist nicht nur das Schicksal seiner Familie und seines Heimatlandes Syrien. Der Umweltschutz war immer schon sein Anliegen. „Mein Vater wollte, dass ich Arzt werde, aber das war nichts für mich.“ Von 1996 bis 2002 hat Mohammad an der Al Baath Universität im syrischen Homs Umwelttechnik studiert und dort seinen Master gemacht. Gegen Ende seines Studiums unternahm er mit einem Freund eine Urlaubs-Reise auf die Insel Aruad vor der Küste Syriens. Am Strand türmte sich der Müll einen halben Meter hoch. Überall lag Plastik. Für den Studenten war das ein einschneidendes Erlebnis in seinem Leben. Mehr denn je verspürte er die Notwendigkeit, sich für den Umweltschutz einzusetzen, und er tat dies mit seinem Mittel – der Wissenschaft.

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Text: Gabriele Winter

Fotos: Fraunhofer IBP

 

Infos für Nachwuchswissenschaftler

Auf dem Fraunhofer-Portal https://www.mytalent-portal.de

erscheinen täglich spannende Tipps für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Zum Beispiel Artikel die einen Überblick über bestimmte Studiengänge bieten :

Ingenieur-Studiengänge: Wie man ein Problemlöser wird

„Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“, hat schon Daniel Düsentrieb gesagt, weltbekannter Vertreter der Ingenieure und Erfinder. Ingenieure gelten als die geistigen Väter technischer Systeme. Sie entwickeln Lösungen für komplexe Aufgabenstellungen in der Mechanik, Elektronik und dem Bauwesen und gestalten die Welt von morgen. Was ihr als Ingenieur alles machen könnt und wie ihr euch im Dschungel der Möglichkeiten zurechtfindet.
Um was geht es in den Ingenieur-Studiengängen?

Dass sich Ingenieure durch Kreativität und Innovationsgeist auszeichnen, liegt schon im Wort selbst: Das lateinische Wort ingenium bedeutet nämlich „sinnreiche Erfindung“ oder „Scharfsinn.“ Ingenieure suchen effektive Lösungen für technische Probleme und das möglichst günstig.  Sie müssen schnell auf Veränderungen reagieren und brauchen neben Fachwissen oft auch Teamgeist sowie soziales und ökologisches Verantwortungsbewusstsein.

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Frust im Jobcenter

Immer mehr Beschäftigte, kaum noch Probleme auf dem Arbeitsmarkt – so scheint es. Doch die Realität in den Jobcentern sieht anders aus. Zu wenig Beschäftigte, tausende nur in befristeten Verträgen, selbst von Arbeitslosigkeit bedroht. Dem gegenüber gut sechs Millionen Bezieher von Hartz IV, viele davon Langzeitarbeitslose, erhalten immer weniger sinnvolle Weiterbildungen. Stattdessen stiegen die Sanktionen gegen Erwerbslose 2012 auf Rekordniveau. Frontal21 hat mit Arbeitsvermittlern und Erwerbslosen gesprochen und zeigt die Situation in den Jobcentern.

Radio-Nachrichten

Als Radioredakteurin habe viel in der Nachrichtenredaktion gearbeitet und dabei die unterschiedlichsten Formate bedient. Von den Lokalnachrichten auf Radio 106.4 über Nachrichtensendungen mit einem Deutschland- und Bayernschwerpunkt bei der BLR bis hin zu Weltnachrichten bei Radio Goldstar und München-Nachrichten bei Radio Gong war so ziemlich alles an Stilrichtungen dabei. Hier zwei Beispiele: