FiMS: Schon vor dem Abi Mathe studieren

MINT-Studiengänge

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Ihr seid Cracks in Mathe und wollt mehr machen, als der Oberstufen-Lehrplan vorsieht? Mit reellen und komplexen Zahlen geht ihr ganz selbstverständlich um und algebraische Räume faszinieren euch? Euer Mathe-Lehrer findet auch, dass ihr an die Uni gehört? Dann bewerbt euch für das Fernstudium FiMS (Früheinstieg ins Mathematikstudium) an der Uni Kaiserslautern.

Für wen ist FiMS interessant?

Anna Lena Birkmeyer managt das Fernstudium Mathematik. Sie war selbst Teilnehmerin am Frühstudiengang, bevor sie ganz regulär an der Universität Kaiserslautern Mathematik studiert hat. „Ich wollte damals einfach mal schauen, wie so ein Mathematik-Studium ist – ich bin zwar gnadenlos durchgefallen, wusste dann aber trotzdem, dass ich Mathematik studieren will.“ Für Anna Lena Birkmeyer ist es immer wieder spannend zu hören, was andere zu FiMS bringt. Sie erzählt, dass einige Studierende ein Jahr im Fach Mathematik übersprungen und da ihr Abi schon haben, während sie es in anderen Fächern noch machen müssen. Aber auch wenn ihr beispielsweise gerade ein freiwilliges soziales Jahr macht und im Stoff bleiben wollt, eignet sich das FiMS für euch (besonders, weil es sich aus der Ferne machen lässt).

Wie könnt ihr euch anmelden?

Wenn ihr euch regulär einschreiben wollt und noch kein Abitur habt, braucht ihr zusätzlich zum letzten Zeugnis ein Schulgutachten und die Einwilligung eurer Eltern. Formulare für die Einschreibung findet ihr unter: http://fims.mathematik.uni-kl.de/anmeldung-zu-fims/anmeldung-mit-einschreibung/

Alternativ könnt ihr euch als Gasthörer anmelden, dann legt ihr keine Prüfungen ab. Das ist zwar etwas stressfreier und ihr bekommt bereits erste Eindrücke vom Mathematik-Studium, allerdings werden euch dabei keine Leistungen für ein weiteres Studium anerkannt. Beginnen könnt ihr zum Sommer- oder Wintersemester. Nach Kaiserslautern reist ihr nur für ein Kennenlern-Treffen und am Semesterende für die Abschlussklausur.

Wie funktioniert FiMS?

Über die Webseite von FiMS bekommt ihr die Übungsaufgaben und Skripte zur Verfügung gestellt. Ihr studiert parallel mit den festeingeschriebenen Studierenden der Uni Kaiserslautern und nutzt dieselben Materialien.

 

Im Selbststudium erarbeitet ihr euch das wöchentliche Skript und reicht die gelösten Übungsaufgaben ein. Wenn ihr Schwierigkeiten habt, hilft man euch gerne im Online-Forum oder telefonisch. „Wir versuchen, die Studierenden so viel wie möglich zu unterstützen,“ sagt Anna Lena Birkmeyer. Über die Plattform könnt ihr auch mit anderen Fernstudierenden diskutieren und euch austauschen. Die eingereichten Übungs-Aufgaben werden zügig korrigiert, mit Anmerkungen versehen und zum Herunterladen bereitgestellt. Wenn ihr die Haus-Übungen regelmäßig gut meistert, werdet ihr am Semesterende zur Prüfung zugelassen und könnt euch nach Bestehen der Klausur den Schein für ein reguläres Mathestudium anerkennen lassen. Das verkürzt euer Studium nicht nur an der TU Kaiserslautern, sondern bei allen Studiengängen, die Scheine in mathematischen Grundlagen erfordern.

Was steht auf dem Stundenplan?

Bei FiMS beschäftigt ihr euch vor allem mit den mathematischen Grundlagen. Die Vorlesungen „Grundlagen der Mathematik“ und „Algebraische Strukturen“ werden in jedem Semester angeboten. Im Sommersemester könnt ihr zusätzlich „Elementare Zahlentheorie“ absolvieren und im Wintersemester „Einführung in die Algebra“. Parallel zu FiMS gibt es in Kaiserslautern die Möglichkeit eines Früheinstiegs ins Physikstudium FiPS. Dort gelten ähnliche Regularien.

Je nachdem wie viel Zeit ihr habt, sucht ihr euch beispielsweise aus, ob ihr in „Grundlagen der Mathematik“ nur den Analysis-Teil oder Lineare Algebra oder beides macht. Bei Analysis steht die Differential- und Integralrechnung in einer Variablen im Mittelpunkt, im Teil zur linearen Algebra geht es um Vektorräume und lineare Abbildungen. Das meiste hattet ihr vermutlich schon in der Oberstufe. Aber falls nicht, keine Sorge, alles wird von Grund auf aufgebaut.

Was ihr vermutlich nicht von der Schule kennt, sind die Inhalte von „Algebraische Strukturen“ wie Gruppen, Ringe und Körper. Der Fokus liegt hier auf der Einführung in die Methodik der Mathematik und auf dem Erwerb der Fähigkeit, mathematische Sachverhalte klar und exakt darzustellen und logisch korrekt zu argumentieren.

In der Vorlesung „Elementare Zahlentheorie“ untersucht ihr sogenannte diophantische Gleichungen, das heißt Gleichungen, bei denen nach Lösungen in ganzen Zahlen gesucht wird. Ziel ist es beispielsweise, ein Kriterium dafür zu entwickeln, wann sich eine natürliche Zahl als Summe von zwei Quadratzahlen darstellen lässt. Zur Lösung derartiger Probleme wird eine Reihe von Begriffen und Verfahren der klassischen Zahlentheorie eingeführt.

In welchen Berufsfeldern könnt ihr später mit Mathe arbeiten?

Mathematiker*innen sind längst nicht mehr die Theoretiker, die nichts mit dem täglichen Leben zu tun haben. Heute beschäftigen sich Mathematiker mit ganz praktischen Fragen: Wo habe ich guten Handyempfang? Wie kommt mein Paket schnell an? Wie finde ich in Onlinesuchmaschinen die passende Antwort auf meine Fragen? Hinter all diesen Prozessen stecken mathematische Modelle und Lösungen. Natürlich könnt ihr auch in die Lehre oder Forschung gehen, denn Mathe-Lehrer*innen sind Mangelware und die Wissenschaft kommt ohne Mathematik nicht aus. Euch steht sozusagen die Welt offen und ihr verdient auch noch gut dabei: Je nach Branche ist ein Jahresgehalt von 60.000 bis 80.000 Euro normal.

An welchen Fraunhofer-Instituten forschen Mathematiker*innen?

In fast allen! Ganz konkret pflegt die Universität Kaiserslautern enge Beziehungen zum Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM. Viele Studierende machen hier ihre Bachelor- oder Masterarbeit und promovieren zum Teil auch. Als FiMS-Teilnehmer*in könnt ihr kleine Praktika beim Fraunhofer ITWM absolvieren. Studienmanagerin Anna Lena Birkmeyer baut die Kontakte zum Institut auf und zeigt den Studierenden „wo es danach hingehen kann, welche Anwendungen solch ein Studium haben kann.“

Das Fraunhofer ITWM arbeitet mit dem Felix-Klein-Zentrum für Mathematik zusammen und organisiert regelmäßig Veranstaltungen, die Mathematiker „über den Tellerrand“ blicken lassen und interdisziplinär mit anderen Forschungsrichtungen zusammenarbeiten.

Auch beim Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Fürth oder dem Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI in Sankt Augustin werden viele Mathematiker gebraucht.

Was ist sonst noch wichtig?

Für das Fernstudium FiMS braucht ihr einen Computer mit Internetzugang und möglichst einen Drucker mit Scanner zum Ausdrucken der Skriptabschnitte und Hausübungen beziehungsweise zum Einscannen der eigenen Lösungen.

FiMS wird zweimal jährlich angeboten – zum Wintersemester mit Semesterbeginn am 1. Oktober und zum Sommersemester mit Semesterbeginn am 1. April. Die Vorlesungen starten jeweils zwei bis drei Wochen nach Semesterbeginn. Dann erhaltet ihr die ersten Skriptabschnitte und Übungsblätter. Die Kosten für das Fernstudium liegen bei gut 200 Euro (bei Gasthörern etwas höher).

Ansprechpartner:

Dr. Anna Lena Birkmeyer, 0631 205 2514

Prof. Dr. Andreas Gathmann, 0631 205 4827

fims@mathematik.uni-kl.de

Weitere Infos:

www.fims.mathematik.uni-kl.de

www.felix-klein-zentrum.de

Text: Gabriele Winter auf https://www.mytalent-portal.de

Bild: pixabay

Entlassen ins sich selbst überlassen

„Die Regularien für Kurzzeitpflege sind teilweise absurd,“ findet Brigitte S.

Von Gabriele Winter (BISS-Magazin Juni 2018)

„Da ist was gebrochen!“ Das ist Mariannes* erster Gedanke, als sie Anfang Januar mit ihren Krücken am Hauptbahnhof stürzt. Die gehbehinderte Frau ist 70 und lebt allein im Westen von München. In der Notaufnahme der Nussbaumklinik diagnostiziert man tatsächlich einen Armbruch – allerdings einen unkomplizierten. Deshalb wird sie mit einer Armschiene versehen und heimgeschickt. Der behandelnde Arzt antwortet auf ihre Aussage, sie sei zuhause ganz alleine und hätte niemand zur Versorgung, dies sei „die Notaufnahme und kein Sozialdienst“. Drei Wochen lang gelingt es ihr trotz regelmäßigen Anrufen bei Pflegediensten, Bezirkssozialarbeit, der behandelnden Ärztin und deren Sprechstundenhilfen nicht, professionelle pflegerische Hilfe zu erhalten. Der Pflegedienst bei ihr um die Ecke sagt, sie hätten keine Kapazitäten für eine Grundpflege in den kommenden Wochen. Marianne kann mit ihrer Verletzung nicht mehr selbst einkaufen, kochen oder sich waschen. Sie lebt von dem was Nachbarn ihr vorbeibringen und hat damit noch Glück – sie muss nur drei Wochen im gleichen Pullover rumsitzen. Denn viele Menschen werden nach einem immer kürzer werdenden Krankenhausaufenthalt entlassen und haben niemanden.

Seit Oktober 2017 sind Krankenhäuser verpflichtet, wenn nötig, für ihre Patienten eine Kurzzeit- oder Anschlusspflege zu organisieren – allerdings gilt das nicht für ambulant behandelte Patienten. Gleichzeitig müssen die Kliniken sicherstellen, dass die Patienten benötigte Medikamente mitbekommen und von Fachärzten weiterbehandelt werden. Bei der herrschenden Personalknappheit in den Krankenhäusern wird das allerdings oft „vergessen“. Gerade ältere Menschen wissen oft nicht, dass sie auf solche Dienstleistungen Anspruch hätten und selbst wenn die Krankenhäuser alles richtigmachen, findet sich nicht immer ein Kurzzeit-Pflegedienst.

Brigitte S. (67) zum Beispiel wurde im Schwabinger Krankenhaus zwar gefragt, ob sie allein lebe, aber Hoffnung auf professionelle Hilfe hat man ihr nicht gemacht: „Die Schwester sagte, es sei sowieso schwierig, Reha, Haushaltshilfe oder Pflege zu bekommen“, erinnert sich Brigitte. Den Sozialdienst des Schwabinger Krankenhauses bekam sie nicht zu Gesicht. Brigitte war im Dezember beim Joggen gestürzt und hatte sich die Schulter gebrochen. Nach der Operation hatte sie wochenlang immer wieder Schmerzen und konnte den Arm am Anfang kaum bewegen. Auch Brigitte war auf Hilfe beim Waschen und im Haushalt angewiesen. Allerdings ist sie sozial gut vernetzt und bat ihre Freundinnen um Unterstützung. Von ihrer Krankenkasse erfuhr sie dann, dass sie eine ihrer privaten Helferinnen mit 5,25 Euro pro Stunde entschädigen kann. Dafür brauchte sie aber erst eine Bestätigung des Arztes und musste ganz genau aufschlüsseln „wer, wann, wie lange da war“. Hinzu kam noch ein Eigenanteil von fünf Euro pro Tag. Am Schluss waren es 125 Euro, die die Krankenkasse übernahm. Streng genommen sind dabei allerdings pflegerische Leistungen – wozu auch das Waschen gehört – ausgenommen. Nur professionelle Pfleger dürfen solche Leistungen gegen Geld erbringen und bekämen dann auch einen höheren Stundensatz von der Krankenkasse. „Absurd“ findet Brigitte das. „Gerade beim Haarewaschen und Duschen brauchte ich am dringendsten Hilfe“, erzählt sie und fragt sich, wie Leute ohne ausreichende Deutschkenntnisse oder mit geistigen Einschränkungen diesen Wust an Formularen und Anträgen bewältigen.

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Lebenslauf

Geboren am 14.01.1969 in Schrobenhausen Grundschule und Gymnasium Schrobenhausen Verheiratet, 2 Kinder (9 und 13  Jahre)

Studium: – Übersetzten (Diplom; Russisch, Englisch) an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

  • – Aufbaustudiengang Journalistik an der Staatlichen Universität St. Petersburg (Russland)

 

Seit 06/2015: Freiberufliche Autorin für die Fraunhofer-Gesellschaft

Seit 05/2015: Übersetzung und Bearbeitung von Textbüchern für TV-Produktionen

Seit 10/2012:  Freiberufliche Online-Redakteurin des BISS-Magazins

Seit 05/2003: Freiberufliche Journalistin v.a. für TV und Print, Radio

01/2003 – 04/2003: Fortbildung zu Synchronsprecherin bei macromedia

10/2002 – 12/2002: Hospitanz bei Mona Lisa /ZDF

07/2001 – 09/2002:  Redakteurin bei Radio GoldStar

10/2000 – 01/2001: Nachrichtenredakteurin bei der BLR

07/1999 – 09/2000: Redakteurin bei Radio 106.4

11/1998 – 06/1999:  Freie Mitarbeit bei Radio IN

08/1998 – 06/1999: Kundenbetreuung bei DF1 (jetzt SKY)

07/1997 – 06/1998: Volontariat an der Deutschen Hörfunkakademie

11/1995 – 06/1997:  Russisch-Übersetzungen und Pressemitteilungen für verschiedene Firmen, v.a. fairtrade GmbH

 

Hüterin des Lichts – oder wie man Kratzer im Lack findet

Karriere bei Fraunhofer

Als Kind wollte Petra Gospodnetic unbedingt Astronautin werden – „und wenn das nicht geht, Wissenschaftlerin“. Letzteres klappte. Seit knapp drei Jahren ist die 27jährige nun am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM und untersucht die Qualität von Oberflächen mithilfe von Licht. Sie entwickelt Algorithmen zur automatischen Oberflächen-Inspektion unter Zuhilfenahme eines Roboterarms, der sich um den Gegenstand dreht. Dadurch lassen sich alle Oberflächen, von der Autokarosserie bis zum Ledermantel, auf Schäden prüfen.

https://www.komm-mach-mint.de/MINT-Life/MINT-Interviews/Informatik

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Sabine Wronski im Kampf gegen Keime

Sabine Wronski

Wenn die nächste Grippewelle Deutschland im Griff hat, ist Sabine Wronskis Thema wieder in aller Munde. Die Humanbiologin (37) erforscht die Bekämpfung von Viren und multiresistenten Keimen. Seit Januar hat sie dabei sogar Unterstützung aus Australien.

Sie arbeiten maßgeblich mit an dem deutsch-australischen Projekt iCAIR. Worum geht es da?

Die Abkürzung iCAIR steht für International Consortium for Anti-Infective Research. Wir vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM arbeiten in diesem Projekt zusammen mit der Medizinischen Hochschule Hannover und dem australischen Institute for Glycomics (IfG) an der Entwicklung neuer Medikamente gegen Infektionskrankheiten – insbesondere der Lunge.

Was genau ist Ihre Aufgabe dabei?

Die Australierinnen und Australier bringen ihre große Erfahrung ein, antivirale Moleküle zum Beispiel gegen Grippeviren zu entwickeln. Wir am Fraunhofer ITEM testen dann die Wirksamkeit dieser Moleküle, etwa mit einer Modell-Lunge in der Petrischale. Wir entwickeln hier neue innovative Modelle, die die Krankheit der Patientin oder des Patienten möglichst gut im Labor abbilden, und darin testen wir dann neue Substanzen. Mich fasziniert vor allem, dass wir die Brücke von der Grundlagenforschung bis hin zur Prüfung im Patienten darstellen.

 

Was haben Sie studiert und warum?

Biologie hat mich schon in meiner Schulzeit im Erzgebirge sehr interessiert. Nach dem Abitur entschloss ich mich, Humanbiologie mit Schwerpunkt Immunologie und Pharmakologie zu studieren und mich damit Richtung „Life Science“ zu orientieren. Den Studiengang boten damals nur Marburg und Greifswald an – ich entschied mich für die Ostsee. Ich dachte anfangs, hier könnte ich auch noch Segeln lernen – aber zu Ende gebracht habe ich den Segelkurs nicht. Die vielen Praktika fesseln einen die meiste Zeit ans Labor. Im Nachhinein war das gut so, denn dadurch bekam ich schon einen guten Einblick in die praktische Arbeit.

Sie empfehlen also künftigen Nachwuchs-Biologinnen auch Praktika?

Unbedingt. Nur so bekommt man eine klare Vorstellung, ob einem der jeweilige Bereich wirklich liegt, denn die Anforderungen der täglichen Arbeit unterscheiden sich am Ende sehr von dem was man an der Uni lernt.

Was fasziniert Sie an der angewandten Forschung?

Ich möchte, dass meine Forschung sichtbar wird, auch außerhalb der Labore. Nur an der Uni zu bleiben und ein Molekül zu erforschen, das wäre nicht mein Ding. Ich will wissen, was man mit den untersuchten Molekülen machen und wie man Patientinnen und Patienten damit helfen kann. Bei meinem Bewerbungsgespräch am Fraunhofer ITEM ging es um Neuroimmunologie, das Thema meiner Doktorarbeit. Ich war damals sehr beeindruckt, als ich von einem Kollegen 3D-Mikroskop-Videoaufnahmen sah. Die zeigten, wie Immunzellen an den Nerven sitzen und dort scheinbar interagieren. An Fraunhofer gefällt mir diese spezielle Mischung aus Forschung und Industrie.

Worum ging es in Ihrer Doktorarbeit?

Ich bin der Frage nachgegangen, wie diese Interaktion zwischen Immunzellen aussieht und welche Rolle dies im Asthma spielt. Das war durchaus eine Herausforderung, denn im Labor lief nicht alles rund: Ich hatte lange versucht, eine bestimmte Methode anzuwenden, um Zellen aus der Lunge zu isolieren. Nach zwei Jahren musste ich umschwenken, weil zwar die Methode an sich funktioniert hat, die Zellen für nachfolgende Untersuchungen aber schon zu sehr aktiviert waren. Dabei habe ich gelernt, dass man sich nicht verzetteln darf und einen Plan B braucht.

Wie kamen Sie von den Asthma-Erkrankungen zur Infektionsbiologie?

Asthma-Patientinnen und -Patienten, die eine Virusinfektion bekommen, entwickeln besonders starke Symptome. Ich untersuchte diese virusinduzierte Verschlimmerung des Asthmas und rückte daraufhin die Lungeninfektionen an sich in den Mittelpunkt meiner Arbeit. Denn diese sind in der Spanne von Viren bis Bakterien sehr vielfältig, betreffen Millionen von Menschen und sind durch die zunehmenden Resistenzen eine ernste Gesundheitsbedrohung.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus Australien?

Die Australierinnen und Australier haben beeindruckend viel Erfahrung damit, antivirale Medikamente zu entwickeln. Das Team dort hat auch schon ein antivirales Medikament entwickelt, das bereits auf dem Markt ist. Besonders an der Arbeitsweise des IfG ist, dass die Wissenschaftler/innen dort nicht einfach nur Wirkstoffbibliotheken screenen, sondern selbst Moleküle designen. Dadurch passen sie dann auch wirklich genau und sind aktiv.

Was sind die konkreten nächsten Schritte im Projekt iCAIR?

Die Substanzen werden aus Australien zu uns geschickt und dann am Fraunhofer ITEM ausprobiert. Die ersten Moleküle sind bereits angekommen, spätestens gegen Ende des Jahres rechnen wir mit Erfolgen. Dann können wir sagen, inwiefern das Molekül zum Beispiel die Virusvermehrung in unserem Testmodell der menschlichen Lunge unterdrückt. Gleichzeitig sehen wir, wie das Gewebe auf die Infektion antwortet. Das Ergebnis wird dann den australischen Kollegen rückgemeldet – ein iterativer Prozess, bei dem wir immer weiter optimieren. Und wer weiß, vielleicht kommen durch die Arbeit von iCAIR ein paar neue Medikament-Kandidat/innen gegen die nächste Grippewelle heraus.

Text: Gabriele Winter

Bild: Fraunhofer ITEM

http://www.komm-mach-mint.de/MINT-Life/MINT-Interviews/Naturwissenschaften/Sabine-W.2

 

„Setz´ dein Kopftuch auf, du Schlampe!“

Anna Maya

Interview mit Anna Maya, Sozialpädagogin vom Frauencafé in Nürnberg

Anna Maya ist Sozialpädagogin im Internationalen Frauencafé in Nürnberg. Sie unterstützt und berät seit 2008 Frauen aus Flüchtlingsunterkünften bei Asylanträgen und hilft bei Schwierigkeiten im Alltag

„Setz´ dein Kopftuch auf, du Schlampe!“

Viele Frauen fliehen aus den gleichen Gründen wie Männer aus ihrer Heimat, weil sie aus politischen oder rassistischen Gründen verfolgt werden. Aber bei Frauen gibt es sehr oft noch andere Gründe. Sexuelle Gewalt gegen sie oder weil sie als Frauen diskriminiert werden. Sie suchen Schutz in Europa und landen in Flüchtlingsunterkünften, in denen sie Gefahr laufen, erneut von Männern bedroht und belästigt zu werden.

Frau Maya, warum schaffen es nur so wenige Frauen nach Europa?

Zum einen liegt es daran, dass in den meisten Kulturen die Männer noch als Hauptversorger der Familie gelten und dann der junge, starke Mann losgeschickt wird und dafür das Geld von sämtlichen Familienangehörigen gesammelt wird. Der junge Mann muss es dann nach Europa schaffen, um die Familie daheim oder in einem Flüchtlingslager in Jordanien oder im Libanon zu versorgen. Oder manchmal heißt es von den verheirateten Männern: „ich geh vor und ihr kommt nach“.

Was erleben alleinstehende Frauen hier in Deutschland?

Kürzlich war eine Studentin aus dem Iran im Frauencafé, die ist als einzige Frau mit lauter fremden Männern untergebracht. Sie erzählte, dass sie offensiv angemacht und zum Sex aufgefordert wird, dass Männer an ihre Tür klopfen und sich einladen.

Kann sie sich an jemanden wenden?

Sie ist in einer dezentralen Unterkunft auf dem Land. Es gibt ja viele leerstehende Hotels, die als Asylbewerberunterkünfte vermietet werden und da ist dann oft auch niemand. Da schaut der Vermieter oder eine Sozialarbeiterin ab und zu vorbei, aber wenn sie belästigt werden, können die Frauen dort nur die Polizei rufen.

Warum werden alleinstehende Frauen so untergebracht?

Dass ist vielleicht ein krasses Beispiel. Meist schaut man bei der Zusammenlegung auf religiöse und ethnische Zusammenlegung, nicht auf das Geschlecht. Oft werden die Frauen auch von ihrer eigenen „community“ unter Druck gesetzt: Unter muslimischen Familien kam es vor, dass in der Unterkunft zum Beispiel eine Frau kein Kopftuch trug, obwohl sie Muslimin ist, und einige Männer das eben nicht in Ordnung fanden und sie immer wieder aufforderten, sich anständig anzuziehen oder auch den Ramadan einzuhalten. Sprüche wie „Setz dein Kopftuch auf, du Schlampe!“, sind keine Seltenheit.

Welche Frauen kommen zu Ihnen ins Frauencafé?

Frauen aus Syrien, Iran, Äthiopien und neuerdings auch aus der Ukraine. Die meisten kommen wegen des Asylverfahrens und brauchen Hilfe bei der Vorbereitung der Anhörung. Und es geht auch viel um psychosoziale Belastungen. Es sind halt auch schon viele traumatisiert, die brauchen eine Therapie.

Erzählen Ihnen die Frauen etwas über die Hintergründe ihrer Flucht?

Ja, einige schon. Gerade, weil sie es oft nicht schaffen, ihre Erlebnisse bei der Anhörung zu erzählen. Zum Beispiel, wenn der Ehemann bestimmte Dinge nicht weiß und auch nicht erfahren soll, z.B. dass es Gewalt gab von einem anderen Mann im Heimatland oder auch woanders. Das Asylverfahren läuft ja in der Regel zusammen mit dem Ehemann, auch wenn die Anhörung einzeln stattfindet. Aber es werden dann Briefe verschickt, in denen die Berichte noch mal drin stehen und die kann der Ehemann dann einsehen.

Warum ist das so schlimm?

Das ist ja oft mit der ganzen Ehrenthematik belastet. Der Mann verliert ja auch seine Ehre, wenn sich jemand an seiner Frau vergangen hat. Oder wenn der Mann hauptsächlich der politisch aktive war, aber die Frau dadurch das Opfer wurde und sie nicht will, dass er es erfährt, weil er sich sonst große Vorwürfe machen würde.

Und was hindert alleinstehende Frauen daran, ihre Geschichte zu erzählen?

Manche erzählen es einfach nicht, weil sie nicht gefragt wurden oder die Zeit nicht reichte oder sie den Dolmetschern, die zum Teil aus dem Heimatland sind, nicht vertrauen. Sie haben Angst, dass die Dolmetscher, es in der „Community“ weitertratschen, was zwar meines Wissens nach nicht vorkommt, aber die Angst ist da. Und manchmal haben sie auch Angst, weil der Dolmetscher oder der Anhörer ein Mann ist.

Woher kommt diese Angst vor Männern?

Viele Frauen erzählen von Vergewaltigungen in den Gefängnissen ihrer Heimatländer oder auf der Flucht.

Wird diese Angst durch eine Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften verstärkt?

Zum einen ist da die Schutzlosigkeit, der Frauen ausgesetzt sind. Weil es eben nicht einzelne abgeschlossene Wohnungen sind und daraus viele für die Frauen unangenehme Situationen resultieren. Erst mal, dass es überhaupt auffällt, dass man alleine ist. Und dass man gezwungen ist, alle Anlagen gemeinsam zu benutzen und dabei zwangsläufig immer wieder auf Männer trifft. Und, dass man vor allem gezwungen ist, so lange dort zu bleiben.

Scheitert eine dezentrale Unterbringung nicht an der Wohnungsnot?

Ja schon, aber es wäre sehr wohl möglich, gerade alleinstehende Frauen woanders unterzubringen. Nach den anderen Merkmalen, wie Religion und Herkunft wird bei der Zusammenlegung ja auch gekuckt. Es wäre möglich, wenn der Wille da wäre. Es kamen von den Behörden auch schon so Gegenargumente, es wäre ja viel sauberer, wenn Frauen auch mit in den Unterkünften sind!

Wie kann man die Frauen besser schützen?

Die Lagerpflicht muss abgeschafft werden.  Es kann nicht angehen, dass die Frauen gerade in Bayern verpflichtet sind über Jahre in den Sammelunterkünften zu leben und dass es so wahnsinnig schwierig ist, dort auszuziehen. Zum Beispiel hätte die Iranerin, von der ich gesprochen habe, einen Platz in einem Studentenwohnheim in Erlangen, denn sie möchte weiter studieren. Aber der Landkreis weigert sich mit der Begründung, man darf erst nach vier Jahren ausziehen, was so aber nicht stimmt. Es gibt Ausnahmegründe wie Krankheit, oder wenn man genug verdient, oder man in einer Mischbeziehung steht mit jemandem, der einen Aufenthalt hat. Studium wäre jetzt kein klassischer Grund, aber man muss doch berücksichtigen, was auf Dauer Sinn macht.

Schrauben, die zum Körper passen

Schraubnagel
Fraunhofer.de

Zu Beginn der Skisaison herrscht in der Regel Hochbetrieb in den alpenländischen Unfallkliniken. Einige Patienten haben danach ziemlich viel Metall im Körper. Denn gerade komplizierte Knochenbrüche werden meist mit Schrauben und Platten aus Titan oder Stahl fixiert. Später müssen sie in einer weiteren Operation entfernt werden. Das ist aufwendig und belastend für die Patienten.

Bleiben die Schrauben im Körper, lösen sie bei empfindlichen Menschen Entzündungen oder Allergien aus. Diese Beschwerden könnten bald Geschichte sein: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM haben gemeinsam mit Partnern der Uni-Kliniken Gießen-Marburg und Bonn, sowie der Universität Bremen einen biokeramischen Schraubnagel entwickelt. Der sogenannte „Schragel“ besteht aus Calciumphosphat, das im Wesentlichen der Zusammensetzung der Knochensubstanz entspricht.

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Go West!

Freihamer Aussichtsturm

Dialog 2016 – WGMW-Vertreter-Fahrt ‘Wohnraummehrung’
Titelthema
Wohnraummehrung – unter diesem Motto steht die WGMW­Vertreter­Fahrt 2016. An einem kühlen aber sonnigen Samstag im Februar geht es diesmal mit dem Bus Richtung Westen. Die ca. 60 Vertreter, Vorstände und Aufsichtsräte wollen Möglichkeiten für neue Wohnräume erkunden, denn auf den Wartelisten der WGMW stehen schon über 1000 Leute, und die sollen – wenn möglich – irgendwann eine Wohnung bekommen….

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